Fotokolumne #turningpoint
Fotokolumne #ichgehraus. Das war am 17.03.2020. Eine Woche später am 24.03.2020 klingt der Titel wie eine Provokation, das will ich nicht. Dass meine Kolumne mit der Coronakrise startet, ist Zufall und war nicht geplant. Nach der Krise wird sehr viel anders sein als vorher, deshalb nenne ich meine Kolumne jetzt #turningpoint. Ich hoffe, dass sich unsere Welt hin zu mehr Solidarität verändern wird.
Eine Kolumne ist ein kurzer Meinungsbeitrag. Ich zeige, was ich erlebe, sehe, fühle. Immer dienstags.
17.03.2020

Anfang letzter Woche war ich in Assen, Holland. Im Gegensatz zu München, waren dort die Regale voll Toilettenpapier, aber die Stadt ohne Menschen. Ich fühlte mich wie in einem postapokalyptischen Endzeitfilm. Seit gestern ist hier auch die Innenstadt leer, in Bayern wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Als ich raus ging und versucht habe, einzukaufen, hat es sich genauso angefühlt. Feindliche Stimmung und immer noch kein Toilettenpapier. Es gab auch kein Obst und Gemüse. Ich hab dann Chips und Bier gekauft.

Seit heute ist Prostitution verboten und viele Männer im home office. Das ist ein neuer Katastrophenfall, denn die häusliche Gewalt wird steigen.

Mein Foto von dieser Woche zeigt meinen Wunsch nach Ruhe und Solidarität .
24.03.2020

Plötzlich ist die ganze Welt im Ausnahmezustand. Was los ist, weiß jeder.

Ich will heute über zwei Dinge schreiben, die mich neben all den erschütternden Nachrichten besonders berührt haben.

Deutsche sein war für mich noch nie etwas, worauf ich stolz war. Eine neue Facette der deutschen Mentalität bestärkt mein Unwohlsein: das Horten von Toilettenpapier. Im Radio habe ich dafür eine psychologische Erklärung gehört. Auf der Toilette fühlt man sich verletzlich. Das Horten von Toilettenpapier sei folglich ein Ausdruck des Wunsches nach Sicherheit. Für mich schwer nachvollziehbar und irgendwie beschämend.

Ich glaube an den Sinn der Krise: Welcher genau das ist, weiß ich nicht. Aber jeder einzelne muss etwas ändern und unsere Gesellschaft ist aufgerufen, sich darauf zu besinnen, dass wir alle verbunden sind und uns gegenseitig brauchen.

Gestern durfte ich Sezgin und Carmen fotografieren. Sezgin betreibt bei uns in Sendling den Obst und Gemüse Lagerverkauf DESA. Er sagt: „Wir müssen zusammenhalten, was jetzt zählt, ist Mitmenschlichkeit“ und hat jetzt in der Krise täglich geöffnet. Seine Mitarbeiterin Carmen, die sich einen Infektionsschutz aus Frischhaltefolie gebaut hat, kassiert mit unerschütterlicher Gelassenheit und Lebensfreude. Solche Menschen helfen mir zuversichtlich zu bleiben. Danke!
Fotokolumne #ichgehraus
Fotokolumne #ichgehraus. Im März, wenn der Frühling mit neuer Hoffnung kommt und in diesem Jahr 2020 gleichzeitig der Virus alles in Frage stellt, gehe ich raus und veröffentliche immer dienstags, einmal pro Woche ein Foto, bzw. eine Fotoreihe. Ich nenne es Fotokolumne, nicht Blog, denn ein Blog sollte interaktiv sein.